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Karma – kosmische Buchhaltung oder kosmische Strafbehörde? Weder noch!

10. Sept.
8 Min. Lesezeit
Karma – kosmische Buchhaltung oder kosmische Strafbehörde? Weder noch! Medium Schweiz Corinne Breitenstein

„Was du säst, wirst du ernten.“


Diesen Satz haben wir wohl alle schon einmal gehört – und irgendwie leuchtet er ja auch ein. Wie wir anderen Menschen begegnen, was wir sagen und wie wir handeln, bleibt selten völlig ohne Wirkung.

Manchmal erleben wir das im ganz Kleinen. Ein Lächeln kommt zurück, eine freundliche Geste öffnet plötzlich eine Tür oder jemand ist für uns da, weil auch wir einmal für ihn da waren.

Und natürlich kennen wir auch die andere Seite.

Da gibt es Menschen, die sich nicht gerade mit Ruhm bekleckern, andere verletzen oder sich ziemlich rücksichtslos durchs Leben bewegen. Spätestens dann fällt gerne einmal der Satz:

„Karma wird das schon regeln.“


Vielleicht mit einem kleinen Augenzwinkern und – seien wir ehrlich – manchmal auch mit einem winzigen Hauch Genugtuung. 😉


Karma verstehen viele als eine Art unsichtbare Gerechtigkeit: Wer Gutes tut, dem widerfährt Gutes. Wer Schlechtes tut, bekommt irgendwann die Rechnung präsentiert.


Auf den ersten Blick klingt das wunderbar gerecht. Doch ist es wirklich so einfach?

Denn wenn wir diesen Gedanken konsequent weiterführen, bekommt er plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Dann müssten wir nämlich auch davon ausgehen, dass ein Mensch, dem etwas Schweres widerfährt, irgendwann etwas Entsprechendes gesät hat.


Und was ist dann mit einem Menschen, der immer für andere da war und trotzdem schwer erkrankt? Mit einem Kind, das schon früh Schweres erleben muss? Mit einem Menschen, der plötzlich jemanden verliert, den er liebt?

Und umgekehrt kennen wir wohl alle Menschen, bei denen man sich gelegentlich fragt, weshalb ihre eher fragwürdige Saat offenbar seit Jahren ganz ausgezeichnet gedeiht. 😉


Spätestens hier wird aus einem schnell dahingesagten Karma-Spruch eine ziemlich grosse Frage:

Was bedeutet Karma eigentlich – und geht es dabei wirklich darum, dass am Ende jeder bekommt, was er verdient?

 


Karma ist keine kosmische Strafbehörde

 

Karma – kosmische Buchhaltung oder kosmische Strafbehörde_ Weder noch! Medium Schweiz Corinne Breitenstein

Das Wort Karma stammt aus dem Sanskrit und bedeutet vereinfacht Handlung oder Tat. Der Begriff ist wesentlich älter als unser heutiges „Karma regelt das schon“ und findet sich in verschiedenen indischen Religionen und Philosophien – mit durchaus unterschiedlichen Vorstellungen.

Auf einen gemeinsamen Nenner heruntergebrochen geht es um Handlungen, Absichten und deren Folgen.

Für mich ist Karma deshalb keine kosmische Buchhaltung, in der irgendwo jemand sitzt, Strichlisten führt und plötzlich feststellt:


So. Das von 1987 wäre jetzt auch noch fällig. 😉


Vieles von dem, was wir gerne Karma nennen, können wir nämlich bereits in unserem heutigen Leben beobachten.

Wenn ich Menschen immer wieder belüge, kann Vertrauen verloren gehen. Wenn ich andere respektlos behandle, verändert das Beziehungen. Wenn ich dagegen unterstütze, zuhöre, wertschätze oder einfach für jemanden da bin, hinterlässt auch das Spuren.


Was wir tun, hat Auswirkungen.


Nur funktioniert das Leben leider nicht wie ein Bestellservice:

Drei gute Taten heute – Glückslieferung am Donnerstag zwischen 8 und 12 Uhr.

Schön wär's. 😉

Denn manchmal säen Menschen sehr viel Gutes und ernten trotzdem Dinge, die sie sich ganz bestimmt nicht gewünscht haben.


 

Wenn die einfache Rechnung nicht aufgeht

 

Gute Menschen werden krank. Kinder erleben Schweres. Beziehungen zerbrechen. Unfälle passieren. Menschen verlieren jemanden, den sie lieben.


Und gleichzeitig gibt es Menschen, bei denen man sich durchaus fragen könnte, weshalb ihre eher fragwürdige Saat offenbar seit Jahren ausgezeichnete Wachstumsbedingungen vorfindet.


Wenn Karma nur Belohnung und Bestrafung wäre, würde diese Rechnung nicht aufgehen.

Ich glaube deshalb nicht, dass alles Schwierige, das uns widerfährt, eine Strafe für etwas ist, das wir irgendwann einmal getan haben.

Aber ich glaube sehr wohl, dass unser Leben mehr umfasst als die Jahre zwischen unserer Geburt und unserem Tod.

 


Ich glaube, wir waren schon mehrmals hier


Karma – kosmische Buchhaltung oder kosmische Strafbehörde_ Weder noch! Medium Schweiz Corinne Breitenstein

Hier verlasse ich bewusst den Bereich dessen, was sich wissenschaftlich beweisen lässt, und komme zu meiner persönlichen Überzeugung.


Ich glaube an Wiedergeburt.


Ich bin überzeugt, dass unsere Seele bereits Erfahrungen gemacht hat, bevor wir in dieses Leben gekommen sind. Und dass wir nicht völlig unbeladen hier ankommen.

Wir bringen etwas mit.

Erfahrungen. Themen. Vielleicht auch Fähigkeiten, Ängste oder Muster.

Und ich glaube, dass wir uns für dieses Leben gewisse Erfahrungen vorgenommen haben, weil unsere Seele sich weiterentwickeln möchte.


Das Wort „Aufgabe“ verwende ich dabei mit etwas Vorsicht. Es klingt schnell nach Hausaufgaben: erledigen, Häkchen setzen, fertig.

So verstehe ich es nicht.

Für mich geht es vielmehr darum, bestimmte Erfahrungen zu machen und daran zu lernen. Das können Themen wie Liebe und Verlust sein. Vertrauen und Enttäuschung. Selbstwert. Mut. Verantwortung. Abgrenzung. Vergebung. Nähe. Entscheidungen.

Und manchmal vielleicht auch die Erkenntnis:

Interessant. Genau hier stehe ich schon wieder.


Vielleicht begegnen uns gewisse Themen tatsächlich so lange, bis wir etwas darin erkennen. Nicht als Strafe. Sondern als Möglichkeit zur Entwicklung.

 


Was unsere Aura erzählen kann

 

Diese Überzeugung fliesst auch in meine Arbeit mit der Aura ein.

Unsere Aura besteht aus verschiedenen Schichten. Wenn ich das Energiefeld eines Menschen lese, nehme ich darin nicht nur wahr, was ihn gerade heute beschäftigt.

Es können sich Erfahrungen, Prägungen und wiederkehrende Themen zeigen. Manche davon lassen sich sehr deutlich mit dem jetzigen Leben verbinden. Andere reichen nach meiner Wahrnehmung weiter zurück.


Manchmal zeigt sich beispielsweise eine Angst, ein Muster oder eine tiefe Prägung, für die sich im heutigen Leben zunächst keine offensichtliche Ursache finden lässt. Auch Fähigkeiten oder eine starke Vertrautheit mit bestimmten Dingen können auffallen.


Für mich können sich darin auch Erfahrungen aus früheren Leben zeigen.

Das bedeutet nun allerdings nicht, dass hinter jeder Angst zwingend eine dramatische Geschichte aus dem Mittelalter stecken muss. 😉


Meist liegt die Erklärung sehr wohl in diesem Leben. Genau deshalb ist mir auch bei der sensitiven Arbeit die Bodenhaftung wichtig. Es geht nicht darum, möglichst spektakuläre Geschichten aus vergangenen Leben zu finden. Es geht darum, wahrzunehmen, was sich zeigt und was für den Menschen heute wichtig sein könnte.


Denn selbst wenn etwas seinen Ursprung in einem früheren Leben hat, leben wir nicht dort.

Wir leben jetzt.

 


Der Seelenplan – eine Reise mit der Eisenbahn

 

Karma – kosmische Buchhaltung oder kosmische Strafbehörde_ Weder noch! Medium Schweiz Corinne Breitenstein

Und damit kommen wir zu einer Frage, die bei diesem Thema fast zwangsläufig auftaucht:


Wenn wir mit bestimmten Erfahrungen in dieses Leben kommen – ist dann nicht sowieso schon alles vorherbestimmt?


Nein. So verstehe ich es nicht.

Für mich lässt sich unser Seelenplan sehr gut mit einer Eisenbahnreise vergleichen. Die Schienen sind bereits gelegt. Auch gewisse Weichen stehen fest. Sie geben die Richtung vor und führen uns zu bestimmten Stationen, die zu unserer Reise gehören.


Diese Stationen stehen für mich sinnbildlich für grundlegende Erfahrungen, die unsere Seele in diesem Leben machen möchte.

Aber deshalb ist nicht jede Minute unserer Reise vorgeschrieben.


Wir können an einem Bahnhof aussteigen, uns dort umsehen und verweilen. Vielleicht nur kurz, vielleicht sehr lange. Wir können wieder einsteigen und weiterfahren. Vielleicht verpassen wir auch einmal einen Zug und nehmen den nächsten.


Und manchmal brauchen wir vermutlich etwas länger, bis wir begreifen, weshalb wir überhaupt an dieser Station gelandet sind. 😉


Die grundlegende Richtung mag also gegeben sein.

Wie wir die Reise erleben und was wir aus den einzelnen Stationen machen, liegt jedoch zu einem grossen Teil bei uns.


Genau dort liegt für mich unser freier Wille.

Der Seelenplan ist deshalb weder ein minutengenauer Fahrplan noch eine völlig freie Fahrt ins Blaue. Es gibt eine Richtung. Es gibt Stationen. Es gibt Erfahrungen, die wir machen möchten.


Aber wir sind nicht einfach Passagiere, die bewegungslos am Fenster sitzen und darauf warten, was als Nächstes vorbeizieht.

Wir sind mittendrin.

 


Vielleicht begegnen wir uns auch nicht zum ersten Mal

 

Besonders spannend wird dieser Gedanke bei unseren Beziehungen.

Ich glaube, dass wir Teil einer Seelenfamilie sind – einer Gemeinschaft von Seelen, die auf energetischer Ebene miteinander verbunden sind und einen gemeinsamen Ursprung haben.

Das bedeutet für mich jedoch nicht, dass wir immer wieder denselben Seelen in wechselnden Rollen begegnen müssen. Hier unterscheide ich zwischen der Seelenfamilie und den verschiedenen Aspekten einer Seele.


Ich glaube, dass eine Seele nicht nur auf diese eine menschliche Erfahrung begrenzt ist, sondern verschiedene Aspekte von sich erfahren lassen kann. Dadurch können Verbindungen entstehen, die sich für uns aussergewöhnlich vertraut anfühlen – manchmal so, als würden wir einen Menschen schon ewig kennen, obwohl wir ihm in diesem Leben gerade erst begegnet sind.


Vielleicht ist genau deshalb bei manchen Begegnungen vom ersten Moment an dieses schwer erklärbare Gefühl da:

Dich kenne ich doch.


Ob wir dabei einem Mitglied unserer Seelenfamilie oder einem anderen Seelenaspekt begegnen, können wir vermutlich nicht einfach an einem Namensschild ablesen. 😉 


Für mich ist viel entscheidender, was diese Begegnung in unserem heutigen Leben auslöst und welche Erfahrung wir miteinander machen.

Für mich gehört dazu der Gedanke:

Alles ist mit allem verbunden.


Wir leben und entwickeln uns nicht losgelöst voneinander. Begegnungen hinterlassen Spuren, Erfahrungen verändern uns und unsere Entscheidungen wirken wiederum auf andere Menschen. Manchmal ganz offensichtlich – manchmal auf eine Weise, die wir erst viel später erkennen.


Und nicht jede Begegnung muss sich vertraut oder angenehm anfühlen. Manche Menschen können uns sogar ganz schön auf die Palme bringen. 😉


Gerade dann lohnt es sich manchmal, etwas genauer hinzuschauen. Nicht nur auf den anderen, sondern auch auf uns selbst.


Warum ärgert mich ausgerechnet dieses Verhalten so sehr? Warum trifft mich genau dieser Punkt?


Ich habe für mich schon oft festgestellt, dass sich hinter einer besonders starken Reaktion etwas Interessantes verbirgt. Manchmal entdecke ich nämlich genau dort auch eine Seite von mir selbst, die ich vielleicht nicht besonders gerne anschaue. Nicht unbedingt in derselben Form oder gleich stark ausgeprägt – aber das Thema ist mir durchaus vertraut.


Vielleicht stört mich die Ungeduld des anderen so sehr, weil Geduld auch nicht gerade zu meinen grössten Talenten gehört. Vielleicht ärgert mich jemand, der ständig Recht haben möchte – und bei genauerem Hinsehen muss ich mir eingestehen, dass auch ich meine Meinung ganz gerne durchbringe.


Unser Gegenüber kann so manchmal zu einem Spiegel werden.

Nicht jeder Mensch, der uns nervt, hält uns automatisch unsere eigenen Themen vor die Nase. Manchmal nervt jemand ganz einfach. Auch das darf sein. 😉


Aber wenn uns ein Verhalten ungewöhnlich stark beschäftigt oder immer wieder trifft, finde ich die Frage spannend:

Was hat das eigentlich mit mir zu tun?


Vielleicht liegt genau darin ein Teil der Erfahrung, die wir miteinander machen möchten. Nicht immer nur beim anderen nach der Ursache zu suchen, sondern den Blick auch einmal umzudrehen und zu schauen, was diese Begegnung in uns selbst sichtbar macht.


Denn wenn alles miteinander verbunden ist, beeinflusst das eine immer auch etwas anderes. Wir begegnen einander, lösen etwas aus, reagieren darauf, treffen Entscheidungen – und setzen damit wiederum etwas Neues in Bewegung.


Und plötzlich sind wir wieder mitten beim Karma.

Bei Ursache und Wirkung.


Vielleicht müssen wir deshalb gar nicht immer wissen, wer wir in einem früheren Leben füreinander waren.

Viel wichtiger ist doch:


Was zeigt mir diese Begegnung heute – und was mache ich daraus?


Denn auch wenn wir uns als Seelen schon einmal begegnet sind, findet diese Begegnung jetzt statt.

 


Krankheit, Schicksal und Karma


Karma – kosmische Buchhaltung oder kosmische Strafbehörde_ Weder noch! Medium Schweiz Corinne Breitenstein

Hier wird das Thema für mich besonders sensibel.

Wenn ich davon ausgehe, dass wir Erfahrungen aus früheren Leben mitbringen können, schliesse ich auch nicht aus, dass sich solche Erfahrungen auf unterschiedlichen Ebenen zeigen können.

Aber daraus würde ich niemals ableiten:

Du bist krank, weil du in einem früheren Leben etwas falsch gemacht hast.


Das entspricht NICHT meinem Verständnis von Karma.

Ebenso vorsichtig bin ich mit Aussagen wie:

„Das hast du dir so ausgesucht.“


Vielleicht gibt es auf seelischer Ebene Zusammenhänge, die wir aus unserer heutigen Perspektive nicht vollständig erkennen können.

Aber wir kennen den gesamten Seelenplan eines anderen Menschen nicht. Und deshalb sollten wir vorsichtig damit sein, sein Schicksal für ihn zu erklären.

Das gilt auch für Trauer und Verlust.


Wenn ein geliebter Mensch vorausgeht, suchen Dagebliebene oft nach dem Warum. Warum dieser Mensch? Warum jetzt? Warum auf diese Weise?

Vielleicht gibt es Zusammenhänge, die wir erst aus einer anderen Perspektive verstehen können. Vielleicht gibt es aber auch Fragen, auf die wir hier keine Antwort erhalten.


Auch in meiner Arbeit als Medium behaupte ich nicht, den gesamten Plan einer Seele zu kennen.

Manchmal dürfen drei Worte deshalb vollkommen genügen:

Ich weiss es nicht.

 


Und was hat das nun alles mit Karma zu tun?

 

Vielleicht mehr, als es zunächst scheint.

Wenn wir Karma nur als Belohnung und Bestrafung betrachten, machen wir es uns meiner Meinung nach zu einfach. Für mich geht es vielmehr um ein Zusammenspiel.


Um das, was wir möglicherweise mitbringen. Um Erfahrungen, die zu unserem Lebensweg gehören. Um Menschen, denen wir begegnen. Um Entscheidungen, die wir treffen. Und um die Auswirkungen unseres Handelns. Vielleicht können wir nicht jede Station unserer Reise bestimmen.

Aber wir können beeinflussen, wer wir auf dieser Reise sind.

Wie wir mit anderen umgehen. Wie wir auf Herausforderungen reagieren. Ob wir bereit sind hinzuschauen. Ob wir Verantwortung übernehmen. Ob wir immer wieder dasselbe tun – oder irgendwann etwas verändern.


Und damit sind wir wieder ganz am Anfang:

„Was du säst, wirst du ernten.“


Vielleicht wissen wir nicht immer, wann unsere Saat aufgeht.

Vielleicht verstehen wir nicht jede Ernte.

Und vielleicht stammt tatsächlich manches aus einem Garten, an den wir uns heute gar nicht mehr erinnern können.


Aber eines können wir beeinflussen:

was wir heute säen.


Denn so spannend frühere Leben, Karma und Seelenpläne auch sind – dieses Leben findet jetzt statt.


Und vielleicht ist genau das die wichtigste Station unserer ganzen Reise.


Herzlichst

Corinne

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