Wenn dein Leben plötzlich kneift wie deine alte Lieblingsjeans
- Corinne Breitenstein
- 19. Juni
- 4 Min. Lesezeit

"Die Jeans ist nicht kleiner geworden... aber irgendetwas hat sich verändert." 😅
Warum es manchmal nicht darum geht, dein ganzes Leben zu ändern – sondern anzuerkennen, dass du dich verändert hast.
Eigentlich müsste doch alles gut sein.
Du hast dir etwas aufgebaut. Vielleicht sogar vieles von dem erreicht, was du dir früher einmal gewünscht hast. Du funktionierst. Du meisterst deinen Alltag. Die Menschen um dich herum sehen vermutlich keinen Grund zur Sorge.
Und trotzdem sitzt du manchmal da und denkst:
„Irgendetwas stimmt nicht mehr.“
Nicht unbedingt dramatisch. Nicht laut. Eher wie ein kleiner Stein im Schuh, den man anfangs ignoriert. Doch je länger man weiterläuft, desto deutlicher wird er spürbar und wenn man nichts unternimmst, gibt eine dicke fette Blase.
Plötzlich fühlt sich das Leben, das einmal so gut gepasst hat, irgendwie eng an. Der Job. Die Partnerschaft. Gewisse Freundschaften. Manchmal sogar die eigenen Gewohnheiten.
Und genau an diesem Punkt beginnen viele Menschen, an sich selbst zu zweifeln.
„Was stimmt denn nicht mit mir?“
Eine meiner Lieblingsfragen. Nicht, weil sie so schön ist. Sondern weil sie fast immer dann auftaucht, wenn eigentlich etwas ganz anderes gefragt werden müsste.
Nämlich: „Was möchte mir dieses Gefühl sagen?“
Doch stattdessen beginnen wir zu analysieren.
Vielleicht bin ich undankbar. Vielleicht bin ich zu sensibel. Vielleicht habe ich einfach schlechte Laune. Vielleicht brauche ich Ferien. Vielleicht muss ich meditieren oder brauche Yoga. Oder einen neuen Kühlschrank...
Man weiss ja nie. Wir suchen die Ursache überall. Nur selten dort, wo sie tatsächlich liegt.
Das Leben verändert sich. Und wir uns auch.

Stell dir vor, du kaufst mit zwanzig Jahren deine absoluten Lieblingsschuhe. Du trägst sie voller Begeisterung. Jahrelang. Und irgendwann stellst du fest: Sie passen nicht mehr.
Nicht weil die Schuhe etwas falsch gemacht hätten.
Sondern weil sich auch unsere Füsse im Laufe des Lebens verändern. Sie werden etwas breiter, etwas bequemer und manchmal beschliessen sie ganz eigenmächtig, dass eine halbe oder sogar ganze Schuhnummer mehr plötzlich eine hervorragende Idee wäre.
Niemand würde deshalb dem Fuss die Schuld geben. Beim Leben machen wir genau das.
Wir entwickeln uns weiter. Unsere Werte verändern sich. Unsere Bedürfnisse verändern sich. Unsere Wahrnehmung verändert sich.
Doch wir erwarten von uns selbst, dass wir weiterhin perfekt in ein Leben passen, das wir vor Jahren erschaffen haben. Das ist ungefähr so sinnvoll, wie heute noch die Jeans von vor zwanzig Jahren anziehen zu wollen und dem Reissverschluss die Schuld zu geben, wenn er nicht mehr zugehen will, 😉...
Die unbequeme Wahrheit
Manchmal ist nicht das Leben falsch. Manchmal bist du einfach gewachsen. Und Wachstum fühlt sich selten so romantisch an, wie es auf Motivationskarten aussieht.
Es fühlt sich oft eher an wie Verwirrung. Wie Unruhe. Wie Unsicherheit. Wie dieses diffuse Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt, obwohl man es noch gar nicht benennen kann.
Viele Menschen versuchen genau dieses Gefühl möglichst schnell wegzubekommen. Sie lenken sich ab. Arbeiten mehr. Konsumieren mehr. Planen mehr. Machen mehr.
Dabei könnte genau dieses Gefühl die wichtigste Botschaft sein, die das Leben ihnen gerade schickt.
Wenn die Seele an die Tür klopft

In meinen Sitzungen begegnen mir immer wieder Menschen, die sagen:
„Eigentlich dürfte ich gar nicht unzufrieden sein.“
Dieser Satz berührt mich jedes Mal.
Denn wer hat eigentlich entschieden, wann wir unzufrieden sein dürfen?
Das Leben ist kein Vertrag. Es gibt keine Klausel, die besagt: „Wenn alles vernünftig aussieht, musst du glücklich sein.“
Manchmal meldet sich etwas in uns, das mehr Authentizität möchte. Mehr Lebendigkeit. Mehr Wahrheit. Mehr von dem, was wirklich zu uns gehört. Und genau das kann sich zunächst wie eine Krise anfühlen. Dabei ist es oft der Beginn von etwas Neuem.
Vielleicht geht es gar nicht darum, alles zu verändern
Das ist die gute Nachricht.
Du musst nicht morgen deinen Job kündigen. Nicht auswandern. Nicht plötzlich mit Räucherstäbchen im Wald wohnen. Obwohl – wer weiss… 😉.
Manchmal beginnt Veränderung viel leiser. Mit einer ehrlichen Frage:
„Wenn ich niemandem etwas beweisen müsste – wie würde ich mein Leben eigentlich gestalten?“
Allein diese Frage kann mehr verändern als hundert gute Vorsätze.
Kleine Veränderungen dürfen auch gross wirken

Manchmal lesen wir von Veränderung und denken sofort an die ganz grossen Schritte.
Job kündigen. Haus verkaufen. Nach Bali auswandern. Oder mit drei Alpakas und einer Gitarre den Jakobsweg laufen.
Dabei beginnt Veränderung oft viel unspektakulärer.
Vielleicht braucht es gar keinen kompletten Neustart. Vielleicht genügt es, wieder etwas in dein Leben einzuladen, das dir Freude macht. Ein Hobby, das schon lange auf dich wartet. Eine kreative Tätigkeit. Mehr Zeit in der Natur. Ein Kurs, der dich schon seit Monaten neugierig macht.
Oder einfach regelmässige Momente, in denen du etwas tust, das nicht produktiv sein muss, sondern dir guttut.
Wir unterschätzen oft, wie viel neue Energie entstehen kann, wenn wir uns wieder erlauben, Dinge nur für uns selbst zu tun. Nicht weil sie nützlich sind. Nicht weil sie jemand erwartet. Sondern weil sie uns lebendig fühlen lassen.
Manchmal verändert sich dadurch nicht das ganze Leben. Aber die Art, wie wir es erleben.
Die Einladung
Falls du dieses Gefühl kennst, dass dein altes Leben irgendwie nicht mehr richtig passt, dann versuche nicht sofort, es wegzudrücken.
Vielleicht ist es kein Problem. Vielleicht ist es ein Hinweis. Vielleicht versucht ein Teil von dir schon länger, gehört zu werden. Und vielleicht beginnt genau dort der spannendste Abschnitt deines Lebens. Nicht dort, wo alles perfekt ist. Sondern dort, wo du den Mut findest, wieder ehrlich mit dir selbst zu werden.
Denn manchmal ist das Gefühl, nicht mehr an seinem Platz zu sein, nicht das Ende eines Weges. Sondern der erste Schritt in die Richtung, die schon lange auf dich wartet.
Und falls du gerade an einem Punkt stehst, an dem du spürst, dass sich etwas verändern möchte, du aber noch nicht erkennen kannst, wohin dein Weg führt, dann kann es hilfreich sein, gemeinsam hinzuschauen.
Oft tragen wir die Antworten bereits in uns. Manchmal braucht es jedoch einen geschützten Raum, eine neue Perspektive oder einen liebevollen Impuls, damit sichtbar wird, was längst darauf wartet, erkannt zu werden.
Genau dabei begleite ich Menschen in meinen Sitzungen – achtsam, ehrlich und auf Augenhöhe.
Herzlichst Corinne



