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Ein Jenseitskontakt ist eine Brücke – kein Zuhause

Wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird


Ein Jenseitskontakt ist eine Brücke – kein Zuhause Wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird


Ein Jenseitskontakt kann etwas unglaublich Berührendes sein.

Manchmal sitzen Menschen vor mir, voller Schmerz, voller Trauer, voller Fragen und voller Sehnsucht. Und dann kommen plötzlich Hinweise, Erinnerungen oder konkrete Fakten, die für die anwesende Person eindeutig sind und die ich nicht wissen konnte.


Es entstehen diese besonderen Momente, in denen der Verstand kurz still wird und das Herz spürt: Da ist noch etwas. Da ist Verbindung. Da ist Liebe.


Für viele Menschen ist ein Jenseitskontakt ein grosses Geschenk. Er kann Trost schenken, Frieden bringen und helfen, den Tod nicht mehr nur als endgültige Wand zu erleben, sondern eher als eine Tür, hinter der etwas weitergeht.


Oft entsteht dabei das Gefühl, dass unsere vorausgegangenen Lieben noch da sind. Nicht mehr so, wie wir es uns wünschen würden. Nicht mehr körperlich greifbar. Aber auf ihre eigene Weise verbunden, präsent und manchmal näher, als wir denken.


Ein Jenseitskontakt kann offene Fragen klären, die für die eigene Verarbeitung wichtig sind. Er kann etwas in uns beruhigen. Er kann helfen, innerlich einen Schritt weiterzugehen.


Und trotzdem gibt es etwas, worüber ich gerne ehrlich schreiben möchte.


Denn so wertvoll ein Jenseitskontakt sein kann, genauso wichtig ist es, ihm danach Raum zu geben.

Raum, damit das Erlebte nachwirken darf.

Raum, damit sich die Botschaften setzen können.

Raum, damit das, was gesagt und gespürt wurde, wirklich im Herzen ankommt.


Genauso wichtig ist auch, dass der Wunsch nach einem Jenseitskontakt wirklich aus einem selbst heraus entsteht. Nicht, weil jemand anderes denkt, es würde einem guttun. Nicht, weil es empfohlen wird. Und auch nicht, weil man das Gefühl hat, es müsste jetzt unbedingt helfen.

Ein Jenseitskontakt darf ein eigener, innerer Wunsch sein. Ein Gefühl von Bereitschaft. Ein Moment, in dem sich nicht nur die Sehnsucht nach Verbindung zeigt, sondern auch ein leises Vertrauen darin wächst, dass man danach wieder in sein eigenes Leben zurückfinden kann. Schritt für Schritt. Im eigenen Tempo. Getragen von dem, was man erfahren durfte.


Ein Jenseitskontakt soll eine Brücke sein. Aber er sollte kein Ort werden, an dem wir stehen bleiben.


Vielleicht ist es eine Brücke, auf der wir kurz innehalten dürfen. Wir dürfen zurückschauen. Wir dürfen Erinnerungen fühlen. Wir dürfen weinen, staunen, verstehen und spüren, dass Liebe nicht einfach endet.

Aber irgendwann ist eine Brücke auch dafür da, dass wir weitergehen. Nicht schnell. Nicht ohne Schmerz. Nicht ohne den Menschen, den wir lieben. Sondern mit dieser Liebe im Herzen.


Wenn die Sehnsucht grösser ist als der Halt


Ein Jenseitskontakt ist eine Brücke – kein Zuhause Wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird

Ich verstehe sehr gut, dass der Wunsch entstehen kann, einen Jenseitskontakt immer wieder und in kurzen Abständen erleben zu wollen.

Wer einen geliebten Menschen verloren hat, möchte manchmal nur eines:

Noch einmal etwas hören.

Noch einmal spüren, dass die Liebe nicht einfach verschwunden ist.

Noch einmal diese Nähe fühlen, die im Alltag so schmerzlich fehlt.


Oft ist da auch der Wunsch nach noch mehr Bestätigung. Noch mehr Hinweise. Noch mehr kleine Beweise, die zeigen: Sie sind noch da. Und es sind wirklich sie, die sich melden.

Besonders dann, wenn der Verlust noch frisch ist oder der Schmerz kaum auszuhalten scheint, kann dieser Wunsch sehr gross werden. Und ja, ich verstehe das. Wirklich.


Es geht nicht darum, diese Sehnsucht kleinzureden oder zu verurteilen. Wer trauert, sucht Halt. Wer liebt, sehnt sich. Und wer einmal einen berührenden Kontakt erlebt hat, möchte dieses Gefühl manchmal einfach festhalten.


Aber genau an diesem Punkt beginnt meine Erfahrung. Und auch meine Verantwortung.


Denn meine Aufgabe ist es nicht, eine Abhängigkeit zu schaffen. Meine Aufgabe ist es nicht, mit einem Jenseitskontakt einen Arzt, eine Therapeutin oder eine professionelle Trauerbegleitung zu ersetzen. Und meine Aufgabe ist es auch nicht, Menschen immer wieder in einen Kontakt zu führen, wenn ich spüre, dass es ihnen langfristig nicht dient.


Ganz besonders achtsam werde ich, wenn ich merke, dass jemand psychisch sehr belastet oder in einer labilen Verfassung ist. Ein Jenseitskontakt kann in solchen Momenten mehr auslösen, als er halten kann.

Es gibt deshalb Situationen, in denen ich ganz bewusst keinen Jenseitskontakt herstelle. Ist jemand im Zusammenhang mit dem Anliegen für einen Jenseitskontakt in ärztlicher oder therapeutischer Behandlung, zum Beispiel bei einem Psychiater, einer Psychologin oder einem Therapeuten, ist ein Termin nur mit einer schriftlichen Einverständniserklärung der behandelnden Fachperson möglich.


Ich weiss, dass das für die betroffene Person manchmal schwer verständlich ist. Und ich weiss auch, dass ich damit nicht immer auf Verständnis stosse.

Doch diese Entscheidung treffe ich nicht aus Ablehnung. Nicht aus fehlendem Mitgefühl. Sondern aus Verantwortung.


Wenn ich spüre, dass ein Kontakt im Moment nicht förderlich wäre, sondern eher destabilisieren als stärken könnte, dann kann und möchte ich diesen Schritt nicht gehen. Auch dann nicht, wenn der Wunsch danach gross ist.

Denn ein Jenseitskontakt darf niemals etwas ersetzen, was in solchen Momenten wirklich gebraucht wird: professionelle Unterstützung, Halt, Begleitung und Sicherheit im Hier und Jetzt.


Ein Jenseitskontakt kann unterstützen.

Er kann trösten.

Er kann offene Fragen beantworten und ein Stück Frieden schenken.

Er kann bestätigen, dass unsere Lieben da sind und dass die Verbindung nicht verloren ist.

Er kann helfen, innerlich etwas abzuschliessen und den nächsten Schritt zu wagen.


Aber er kann den eigenen Trauerweg nicht für uns gehen.


Wenn ein Kontakt zur Routine wird


Manchmal erlebe ich, dass Menschen nach einer Sitzung sehr schnell wieder buchen möchten. Oder direkt danach zu einem anderen Medium gehen.

Nicht, weil der erste Kontakt nicht schön war. Oft sogar im Gegenteil. Gerade weil er schön war. Gerade weil er berührt hat. Gerade weil da Aha- und Oho-Momente waren. Beweise. Tränen. Erleichterung. Und dieses tiefe Gefühl: „Da ist noch etwas. Sie sind noch da. Und ihre Liebe ist spürbar.“


Aus einem solchen Erlebnis kann der Wunsch entstehen, es sofort wiederholen zu wollen. Noch einmal.

Und noch einmal.

Und vielleicht zur Sicherheit noch bei jemand anderem.


Das ist menschlich. Aber nicht immer heilsam.

Denn wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird, kann er unbemerkt etwas ersetzen, was eigentlich Raum bräuchte: Trauer. Verarbeitung. Ankommen in einem neuen Leben, das durch den Verlust anders geworden ist.

Das langsame Begreifen, dass ein geliebter Mensch zwar auf einer anderen Ebene weiterlebt, das eigene Leben hier aber trotzdem weitergehen darf.

Nicht sofort.

Nicht perfekt.

Nicht ohne Schmerz.

Aber Schritt für Schritt.


Wenn ich Nein sage


Ein Jenseitskontakt ist eine Brücke – kein Zuhause Wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird

Ich weiss, dass es manchmal nicht gerne gehört wird, wenn ich sage, dass ein erneuter Jenseitskontakt im Moment nicht sinnvoll ist.

Und ja, manchmal bin ich dann in den Augen anderer vielleicht „die Böse“. Diejenige, die nicht möchte. Diejenige, die bremst. Diejenige, die nicht einfach einen neuen Termin anbietet.

Aber darum geht es nicht. Es geht nicht darum, etwas zu verweigern. Es geht darum, Verantwortung zu tragen.


Wenn ich spüre, dass ein weiterer Kontakt einen Menschen nicht stärkt, sondern noch mehr bindet, dann kann ich das nicht einfach ignorieren. Auch dann nicht, wenn der Wunsch danach absolut verständlich ist. Auch dann nicht, wenn der Schmerz gross ist. Gerade dann nicht.


Denn ein Jenseitskontakt soll nicht dazu führen, dass jemand sein eigenes Leben immer weiter auf Pause stellt. Er soll nicht zur einzigen Möglichkeit werden, mit einem Verlust klarzukommen. Und er soll kein Ersatz sein für Trauerverarbeitung, therapeutische Unterstützung oder den Weg zurück ins eigene Leben.


Ich weiss, dass das manchmal schwer zu hören ist. Aber echte Begleitung bedeutet für mich nicht, immer das zu geben, was im Moment gewünscht wird.


Manchmal bedeutet sie auch, ehrlich zu bleiben. Liebevoll. Klar. Und mit dem Blick darauf, was langfristig wirklich gut tun kann.


Wenn der Kontakt nicht zustande kommt


Es gibt auch Situationen, in denen ein gewünschter Jenseitskontakt nicht so zustande kommt, wie man es sich erhofft.

Das ist schwer. Vor allem, wenn die Sehnsucht gross ist. Natürlich kann dann Enttäuschung entstehen. Manchmal auch Frust. Und manchmal wird diese Enttäuschung auf das Medium gerichtet.

Auch das kann ich verstehen.


Doch aus meiner Erfahrung gibt es Momente, in denen die geistige Welt sehr klar zeigt, dass ein Kontakt im Moment nicht hilfreich wäre.

Nicht aus Lieblosigkeit.

Nicht weil keine Verbindung besteht.

Nicht weil der Verstorbene nicht da ist.

Sondern weil eine weitere Kommunikation im Moment vielleicht eher festhalten als befreien würde. Eher zurückziehen als stärken. Eher verhindern, dass der Mensch hier wieder einen kleinen Schritt ins Leben machen kann.


Gerade bei Eltern, die ein Kind verloren haben, ist dieses Thema besonders sensibel. Der Schmerz ist kaum in Worte zu fassen. Und natürlich ist der Wunsch nach Kontakt unendlich gross.

Ich glaube, niemand darf diesen Schmerz kleinreden.

Und doch kann genau diese Sehnsucht manchmal so stark werden, dass immer wieder neue Kontakte in sehr kurzen Abständen gesucht werden. Einer nach dem anderen. In der Hoffnung, dass es danach leichter wird.


Doch manchmal wird es dadurch nicht leichter. Manchmal wird die Sehnsucht nach dem nächsten Kontakt sogar noch grösser.

Dann kann Stille manchmal liebevoller sein als eine weitere Botschaft. So schwer das auch ist.

Vielleicht ist diese Stille nicht Ablehnung.

Vielleicht ist sie Schutz.

Vielleicht ist sie ein liebevolles Zeichen dafür, dass das Leben hier wieder Raum bekommen darf.


Die Liebe bleibt – aber das Leben ruft auch



Ein Jenseitskontakt ist eine Brücke – kein Zuhause Wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird

Ich weiss, dass unsere Verstorbenen nicht möchten, dass wir aufhören zu leben.

Sie möchten nicht vergessen sein. Natürlich nicht. Aber sie möchten auch nicht, dass unser Leben nur noch aus Warten besteht.

Warten auf ein Zeichen.

Warten auf die nächste Botschaft.

Warten auf den nächsten Kontakt.


Liebe aus der geistigen Welt möchte nicht abhängig machen. Sie möchte erinnern. Sie möchte stärken. Sie möchte trösten. Sie möchte klären. Und manchmal möchte sie uns auch ganz sanft zurück ins Leben schubsen.


Vielleicht mit der Botschaft:

Ich bin nicht weg. Aber du bist noch hier. Und dein Leben darf weitergehen.

Nicht ohne mich. Sondern mit meiner Liebe in deinem Herzen.


Warum ich Wiederholungen nicht zu früh empfehle


Aus diesem Grund empfehle ich einen erneuten Jenseitskontakt zur gleichen verstorbenen Person in der Regel frühestens nach einem halben Jahr bis einem Jahr.

Nicht als starre Regel. Nicht, weil vorher grundsätzlich nichts möglich wäre. Sondern weil ein Kontakt Zeit braucht.

Zeit zum Nachwirken.

Zeit zum Trauern.

Zeit zum Verstehen.

Zeit, um zu akzeptieren, dass sich das Leben verändert hat.

Zeit, um das eigene Leben neu zu gestalten.

Zeit, um wieder Boden unter den Füssen zu finden.

Und Zeit, um Schritt für Schritt weiterzugehen.


Der erste Kontakt ist oft sehr besonders. Vieles wird gesagt. Vieles wird bestätigt. Manchmal kommt genau das, was die Seele in diesem Moment gebraucht hat.

Und dann darf man diesem Erlebnis auch Raum geben. Statt sofort nach der nächsten Bestätigung zu suchen.

Denn manchmal ist nicht die nächste Botschaft das Heilsamste. Sondern der Moment, in dem wir beginnen, die erste wirklich in unser Leben zu integrieren.


Eine Brücke darf verbinden – aber sie soll nicht festhalten



Ein Jenseitskontakt ist eine Brücke – kein Zuhause Wenn ein Jenseitskontakt zur Routine wird

Ein Jenseitskontakt kann eine wunderschöne Brücke sein.

Eine Brücke zwischen hier und dort.

Zwischen Schmerz und Trost.

Zwischen Zweifel und Vertrauen.

Zwischen Abschied und dem Gefühl, dass Liebe weiterbesteht.


Aber eine Brücke ist nicht dafür da, dass wir auf ihr wohnen bleiben.


Sie ist dafür da, dass etwas in uns wieder in Bewegung kommt. Dass wir atmen können. Dass wir fühlen dürfen. Dass wir weinen dürfen. Dass wir erinnern dürfen. Und irgendwann auch wieder leben.

Nicht weil die Liebe weniger wird. Sondern weil sie stark genug ist, uns weitergehen zu lassen.


Herzlichst Corinne

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